Seite 102: »Ich habe ihn verstört.«
Zunächst mal möchte ich anmerken, dass ich kläglich versagt habe, was die Erektion betrifft. Ich würde das hier natürlich niemals zugeben, wenn Charlotte Roche nicht schon zugegeben hätte, dass es ihr gegenüber bereits Männer zugegeben haben. Wobei ich der Frau auch zutrauen würde, das einfach nur zu behaupten, weil sie weiß, dass Männer dabei eine Erektion bekommen. Das Buch ist nicht erotisch, es sei denn man bringt einen kleinen Fetisch mit. Komischerweise schafft mein Gehirn es, Schilderungen, welche die Worte Fotze, Klitoris, Schamlippen, Arsch und Nippel enthalten, vollständig aus ihrem Kontext zu lösen, völlig unangebrachte Signale auszusenden und mir einen Ständer aufzudrängen. Dass diese Erkenntnis mich tatsächlich verstört hat, wäre übertrieben ausgedrückt, aber eine gewisse Irritation kann ich nicht abstreiten.
Seite 18: »Mir ist irgendwann klar geworden, dass Mädchen und Jungs unterschiedlich beigebracht kriegen, ihren Intimbereich sauber zu halten. Meine Mutter hat auf meine Muschihygiene immer großen Wert gelegt, auf die Penishygiene meines Bruders aber gar nicht. Der darf sogar pinkeln ohne abwischen und den Rest in die Unterhose laufen lassen.«
Da hilft kein Schütteln und kein Klopfen, in die Hose geht der letzte Tropfen. Klopapier an Urinalen würde auch nur zur Verstopfung der Porzellaneinrichtungen führen. Aber selbstverständlich wird der Penis gewaschen, nur dass einem das im Normalfall vom Vater beigebracht wird. Unter der Vorhaut würden sich sonst auch Schmutzreste bilden (Eichelkäse, den Begriff kennt man ja) und den Gesichtsausdruck des Sexualpartners möchte ich sehen. Wie im Buch so schön festgestellt wird, waschen Nutten die Schwänze ihrer Freier auch vorher. Es ist auch ein Irrglaube, dass sich nur Frauen rasieren. Ich war ja dank der Gemeinschaftduschen bei der Bundeswehr mehr oder weniger gezwungen mir nackte Männer anzusehen und die überwiegende Mehrheit ist untenrum und auch unter den Achseln rasiert. Ebenso falsch ist es, dass die Gesellschaft nicht erwartet, dass Männer ihren Körper so stark pflegen oder dass Männer ohnehin immer mit ihrem äußeren Erscheinungsbild zufrieden sind. Im Drogeriemarkt gibt es mittlerweile immerhin Regale ausschließlich mit Produkten für Männer: After Shave, sensible Creme gegen Unreinheiten im Gesicht, Gesichtsseife, Gesichtspeeling, Gesichtscreme (nicht gegen Unreinheiten), Duschgel, Sportduschgel, Deo, Sportdeo, Shampoo, Parfum, Körpermilch (Body Milk!) und weit mehr. Die verschwitzten Männer im Fitnessstudio oder auf Waldlaufstrecken befinden sich dort nicht nur aus sportlichem Ehrgeiz.
Seite 20: »Mir macht es Riesenspaß, mich nicht nur immer und überall bräsig voll auf die dreckige Klobrille zu setzen. Ich wische sie auch vor dem Hinsetzen mit meiner Muschi in einer kunstvoll geschwungenen Hüftbewegung einmal komplett im Kreis sauber. Wenn ich mit der Muschi auf der Klobrille ansetze, gibt es ein schönes schmatzendes Geräusch und alle fremden Schamhaare, Tropfen, Flecken und Pfützen jeder Farbe und Konsistenz werden von meiner Muschi aufgesogen.«
Alle Erwartungen (oder Befürchtungen), die ich dank der unzähligen Interviews mit Charlotte Roche ja durchaus hatte, wurden übertroffen. Die Protagonistin mag ja recht haben, dass wir es manchmal mit der Hygiene übertreiben. Ich hielt mich für hartgesotten, schließlich hat man sich früher schonmal gegenseitig mit vollgewichsten Taschentüchern oder verschimmelten, vollgebluteten Unterhosen beworfen, aber das Buch erzeugt durch seinen Detailgrad teilweise extremen Ekel. Allerdings hat man sich ab Seite 70, 80 bereits daran gewöhnt.
Letztendlich ist FEUCHTGEBIETE weder besonders originell noch gut geschrieben und ich bin mir sicher, dass es, wäre es nicht von Charlotte Roche, sondern von einer unbekannten Person geschrieben worden, völlig untergegangen wäre. Es ist sicher interessant, es mal gelesen zu haben, aber Prädikate wie “literarisch wertvoll” oder “jetzt schon Kult” hat es auch nicht verdient.
Ich verschicke meine Version des Buches inklusive einer Widmung von mir auf seperatem Karton und ausgedruckten Blogposting an den ersten Interessenten, der sich hier meldet.